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Krankenhauskonzept

08.05.2018

Rede des Fraktionsvorsitzenden Volker Schuler bei der Sondersitzung des Kreistags am 23.04.2018, es gilt das gesprochene Wort

1. Notwendigkeit

- letzte Woche in Backnang: 38.000 Einwohner, 100.000 Einwohner Einzugsbereich, kein Krankenhaus
- Notfallzeiten im Kreis Calw werden weitgehendst auch ohne die beiden Krankenhäuser in Calw und Nagold eingehalten

->> Warum unterhalten wir uns über zwei Standorte für rd. 100.000 Einwohner im Kreis Calw?

a)     Situation im ländlichen Raum anders
b)    wir bauen zwei Gesundheitszentren für unsere Bevölkerung und medzin. Infrastruktur (Campus, Andockstation für Ärzteversorgung in der Fläche)
c)     Wohnortnahe Versorgung, Wunsch auch der niedergelassenen Ärzte

>> Konzept ist nicht alternativlos: Die Alternative wäre aber das Auslaufen lassen unserer bisherigen Kliniken, weil das „Weiter so“ den Landkreis und die Gemeinden finanziell ruinieren würde und einen neue Einhäusigkeit eine Klinik ohne Patienten wäre.

2. Verteilung

-         Der wichtigste Satz: Auftrag des Landkreises ist Akutversorgung. Nichts anderes. Mit zwei Standorten nun hervorragend aufgestellt. Die Akutversorgung sollte aber ähnlich gelagert sein. Deshalb auch unser ja zu 24/7 in Calw.

-         Alle weiteren medizinischen Angebote unterliegen einer wirtschaftlichen Betrachtungsweise und keinem politischen Standortgeplänkel. Deshalb 2021 als angepasstes Konzept. Seit 2013 hat sich doch manches in der medizinischen Landschaft verändert und wird sich weiter verändern.

-         Kunde/Patient entscheidet auch nicht nach Standort. Patient entscheidet nach qualitativen Gesichtspunkten. Bei elektiven Eingriffen sind wir kein „muss“, sondern ein „kann“. Nur keine falschen Erwartungen !

3. Verantwortlichkeiten

-         Jeder wird erkennen, dass zwei Standorte für 100.000 Einwohner mehr kosten und nicht kostendeckend zu betreiben sind.
-         Wir reden von 7 Mio Euro plus an Defizit. Viel Geld – eigentliches Ziel war das Defizit zu senken. War leider in der Diskussion nicht oft zu hören.
-         Und diese Beschränkung auf 7 Mio  gelingt auch nur, wenn alle zusammenhelfen die sich in den Entscheidungsprozess eingebracht haben:

a)     Die niedergelassenen Ärzte mit ihren Einweisungen
b)    die Klinikärzte und das Pflegepersonal
c)     die Patienten/Kreiseinwohner  mit der Inanspruchnahme der Kliniken in allen Fachabteilungen

Erforderlich dafür: Die Solidarität der Gemeinden von Enzklösterle bis Bad Bad Herrenalb,  von Haiterbach bis Untereichenbach.

Nicht alle Gemeinden können dies aus eigene Mittel bezahlen. Ebhausen zum Beispiel nicht. Wir werden auf unsere Einwohner zugehen müssen und die Steuern erhöhen. Auch hier klare Ansage. Alles hat auch ein Preisschild.

4. Risiken und Unwägbarkeiten

Unser Konzept ist nicht ohne Risiken. Viele Faktoren, dir wir nicht beeinflussen können

  • Ø die Gesundheitspolitik in Berlin und Stuttgart
  • Ø die Personalknappheit im medizinischen Bereich
  • Ø wirtschaftliche Entwicklung der Abteilungen bzw. die Anspruchnahme unserer Kliniken durch die Kreiseinwohner

->> Müssen flexibel bleiben und reagieren können, wenn sich die Situation verändert.

FWV halten das vorgelegte Konzept im Sinne und Inhalt für unsere Einwohner für eine sehr gute Lösung in der medizinischen Versorgung. Das ist uns das Geld wert. Wichtig ist, dass das Defizit begrenzt bleibt.

Niemand kann uns aber eine Sicherheit über die Entwicklung geben. Insofern habe ich durchaus Verständnis für die Bedenken mancher Kreisräte hinsichtlich der Finanzierbarkeit.

Die massiven Erhöhungen bei den Baukosten haben das Vertrauen nicht gerade erhöht.

Aber wir müssen und sollten dringend eine Entscheidung treffen bevor uns das Zeitfenster entgleitet und die Rahmenbedingungen noch schwieriger werden.

Schon de Gaulle sagte:

Es ist besser unvollkommene Entscheidungen durchzuführen als beständig nach vollkommenen Entscheidungen zu suchen, die es niemals geben wird.

-         Dank an Landrat Rieger
-         Die Kreistagskollegen
-         Die niedergelassenen Ärzte

für die nicht immer einfache Diskussion.